/ Migration

Betrachtung einer SharePoint Migration

Nachdem ich letztens zum Thema Betrachtung eines Sharepoint Upgrade einen Blogeintrag geschrieben habe, darf natürlich auch ein Blogeintrag zur Upgrade Alternative - der Migration - nicht fehlen.

Bevor die Vor- und Nachteile einer Migration aufgeführt werden, möchte ich kurz erläutern wie eine Migration definiert wird.

Bei der Migration werden die Inhalte aus der Quellumgebung in die neue Zielumgebung übertragen. Damit existieren während der Migration zwei SharePoint Farmen auf unterschiedlicher Hardware. Die Zielumgebung ist dabei unabhängig von der Quellumgebung und eigenständig. Optimalerweise werden im Verlauf der Migration die Inhalte direkt über die SharePoint API in die Zielumgebung übertragen – es wird also jeder Datensatz bei einer Migration „angefasst“.

Nachfolgend nun die Vor- und Nachteile einer Migration.

  • Vorteile:

    • Granulare Datenmigration:
      • Hier geht es um die Möglichkeit der gezielten Migration von Inhalten. Dabei kann es sich um einzelne Items, beispielsweise Kalendereinträge, Dokumente, aber auch Listen oder Libraries handeln. Diese Herangehensweise erlaubt es, die Dauer der Migration effizient zu planen, da diese bei geringerem Datenvolumen schneller durchgeführt werden kann. Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit, während der Migration eine Restrukturierung der Inhalte vorzunehmen. Sub Sites, Listen oder Site Collections, die nicht produktiv verwendet werden, können einfach bei der Migration ausgelassen oder an einer anderen Position in der Zielumgebung platziert werden.
    • Erweiterte granulare Migration:
      • In vielen Migrationsprojekten ist es notwendig, die Benutzerberechtigungen zu berücksichtigen. Für den Fall, dass die Benutzer der alten SharePoint Umgebung in einem anderen Active Directory (AD) verwaltet werden als in der SharePoint Server 2010 Umgebung, sollte der Benutzer aus der Domain „MOSS2007“ mit dem entsprechenden Benutzer der Domain „SPS2010“ verknüpft werden.
    • Datenanpassung:
      • Daten können während der Migration angepasst beziehungsweise bereinigt werden (Site, List Mapping, Usermapping, ungültige Zeichen, Umwandlung von Spaltentypen). Inhalte können in der Regel während der Überführung in die Zielarchitektur angepasst und bearbeitet werden. Es können alte Vorlagen für Sites, Listen oder Collections mit neuen / anderen Vorlagen verknüpft, aber auch Spaltennamen oder Typen geändert werden.
    • Quellfreiheit:
      • Bei einer Migration lassen sich auch nicht SharePoint Quellen migrieren. Dies ist wohl einer der häufigsten Gründe warum eine Migration einem Upgrade vorgezogen wird.
  • Nachteile

    • Kosten:
      • Diverse Hersteller bieten Werkzeuge an, mit denen eine Migration durchgeführt werden kann. Eine Migration erfordert immer ein Zielsystem, das nicht das Quellsystem ist.
    • Geschwindigkeit:
      • Da bei einer Migration jeder einzelne Datenbankeintrag einzeln von der Quell- in die Zielumgebung übertragen wird, wirkt sich dies auf die Dauer einer Migration aus. Hier zählen also die Leistungsfähigkeit der Hardware, aber auch die Leistung des Netzwerks, über das die beiden Umgebungen miteinander verbunden sind. Die Performance einer Migration wird in der Regel in Items/Stunde beschrieben. Achtung: Die Migration von 1000 Items mit je 10 MB benötigt in der Regel mehr Zeit, als eine Migration von lediglich 10 Items mit je 1000 MB.
    • Aufwand:
      • Der Aufwand einer Migration ist größer als der eines Upgrades. Allein die vielen zusätzlichen Möglichkeiten bei einer Migration erfordern es, sich darüber bewusst zu werden, welche Ziele ein Unternehmen genau mit der Migration erreichen möchte. Dazu ist die Erstellung von Test Cases sinnvoll, um zu erkennen, welche Anpassungen man in seinem Szenario vornehmen möchte und welche nicht.

Wie auch schon beim Upgrade möchte ich hier ein paar Tipps geben, wie man eine Migration möglichst unproblematisch umsetzen kann.

Schritte für eine gut geplante Migration

  1. Analyse:
    Um sich seiner Quellumgebung bewusst zu werden, ist es sinnvoll, diese vor einer Migration zu analysieren. Die Anzahl der Items, Dokumente, Listen oder Libraries sind wichtige Kriterien, um Schätzungen über die Laufzeit der Migration abzugeben. Auch um mögliche Probleme im Vorfeld zu erkennen, erweist sich eine Vorabanalyse als nützlich. Ein Vergleich der Quell- und der Zielumgebung bietet sich an dieser Stelle an, da möglicherweise Templates in der Quelle verwendet wurden, welche im Ziel empfehlenswerterweise installiert werden sollten, oder ggebenenfalls auf Standard-Templates der Zielumgebung verknüpft werden können.

  2. Anforderungen:
    Legen Sie fest, welche Anforderungen erfüllt werden müssen. Darauf werden alle nachfolgenden Punkte basieren.

  3. Umfang:
    Gibt es bestimmte Listen, Libraries oder Sub Sites, die nicht migriert werden müssen? Ist es notwendig mit Filtern zu arbeiten, um bestimmte Dokumente, Content Types oder Items nicht zu migrieren? Sollen alle Versionen eines Dokuments migriert werden, oder doch lieber nur die letzten fünf?

  4. Struktur:
    Welche Inhalte sollen überhaupt von welcher Stelle wohin migriert werden? Gibt es Listen, die an einer anderen, eventuell zentraleren Stelle, besser aufgehoben sind? Ist es notwendig, die Inhalte einer Site Collection in mehrere Site Collections aufzuspalten um diese auf verschiedene Content Datenbanken aufzuteilen?

  5. Metadaten:
    Sollen Metadaten 1:1 übernommen werden? Ist es sinnvoll bestimmte Spalten durch die Migration umzubenennen, oder gar deren Typ umzuwandeln? (beispielsweise Lookup Columns in Managed Meta Data) Gibt es Metadaten die möglicherweise gar nicht migriert werden sollen?

  6. Tests:
    Vor einer Migration sind Tests unabdingbar. In der Regel startet man mit simplen funktionalen Tests und steigert diese dann in der Komplexität bis alle Anforderungen abgedeckt sind. Danach führt man die gleichen Tests mit repräsentativen Daten durch um sicherzugehen, dass die Migration auch mit echten Daten wie geplant durchgeführt werden kann.

Letztendlich hängt von den individuellen Anforderungen ab, welcher Weg der Richtige ist. Für komplexe, gewachsene und heterogene Systeme empfehle ich den Migrationsweg, um auf einer möglichst effizienten und schlanken SharePoint-Installation aufzusetzen, in der alle neuen Features genutzt werden können.

Wer die DocAve Platform von AvePoint für eine Migration in Erwägung zieht, dem kann ich diesen Link auf die AvePoint Webseite empfehlen.

Michael Denzler

Michael Denzler

Executive Consultant, SharePoint, Salesforce, Photograph, IT Expert, Geek, Apple Fan, Developer, Public Speaker

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